708 Millionen - die unsichtbare Arbeitskraft - Caring Economy
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708 Millionen – die unsichtbare Arbeitskraft

Weltweit können rund 708 Millionen Frauen nicht an Erwerbsarbeit teilnehmen, weil sie unbezahlte Care-Arbeit leisten. Bei Männern sind es im Vergleich dazu nur etwa 40 Millionen (International Labour Organization, 2023).

Dies entspricht einem sehr großen Anteil der Frauen im erwerbsfähigen Alter, die aus diesem Grund außerhalb des Arbeitsmarktes stehen – ein deutliches globales Ungleichgewicht.

Care-Arbeit umfasst Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen sowie Hausarbeit – Tätigkeiten, ohne die keine Gesellschaft funktionieren kann. Dennoch sind sie überwiegend unbezahlt und ungleich verteilt: Frauen leisten weltweit mehr als doppelt so viel unbezahlte Care-Arbeit wie Männer (UN Women, 2020).

Die Folgen sind konkret: Wer den Großteil seiner Zeit für unbezahlte Arbeit aufwendet, hat geringere Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit und damit auch weniger Zugang zu eigenem Einkommen und sozialer Absicherung. Gleichzeitig bleibt diese Arbeit in zentralen wirtschaftlichen Kennzahlen weitgehend unsichtbar, da unbezahlte Care-Arbeit in der Regel nicht im Bruttoinlandsprodukt (BIP) erfasst wird.

Auch gesamtwirtschaftlich hat diese Ungleichverteilung messbare Konsequenzen. Eine geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen reduziert das verfügbare Arbeitskräfteangebot und kann sich dämpfend auf wirtschaftliche Entwicklung und Steuereinnahmen auswirken. Studien der World Bank zeigen, dass eine höhere Gleichstellung der Geschlechter mit positiven Effekten auf Produktivität und Wirtschaftswachstum verbunden ist (World Bank, 2012; 2023).

Ein weiterer zentraler Faktor sind rechtliche Rahmenbedingungen. Laut aktuellen Analysen erreichen Frauen weltweit im Durchschnitt nur etwa 64 % der rechtlichen Rahmenbedingungen, die für Männer gelten (World Bank, 2023; zitiert nach UN Women, 2026).

Solche rechtlichen Ungleichheiten können die wirtschaftliche Teilhabe zusätzlich einschränken. Eingeschränkter Zugang zu Eigentum, Finanzdienstleistungen oder unternehmerischen Möglichkeiten kann Investitionen und Einkommensentwicklung hemmen (World Bank, 2023).

Gleichzeitig zeigen Reformen Fortschritte: Gesetzesänderungen im Familien-, Erb- und Arbeitsrecht haben in den vergangenen Jahrzehnten die wirtschaftlichen Chancen von hunderten Millionen Frauen verbessert (United Nations, 2023).

Die Commission on the Status of Women, deren 70. Sitzung im März 2026 stattfand, betont jedoch, dass wirtschaftliche Gleichstellung ohne strukturelle Veränderungen nicht erreichbar ist. Dazu zählen insbesondere Investitionen in Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur, der Abbau diskriminierender Gesetze sowie der Ausbau sozialer Sicherungssysteme.

Care-Arbeit ist kein Randthema – sie ist ein zentraler wirtschaftlicher Faktor.

Ich bringe diese Perspektive in Vorträgen, Panels und Workshops ein.



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