"Sozialpolitik ist keine Kostenfaktor, sondern eine Form wirtschaftlicher Infrastruktur." - Caring Economy
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„Sozialpolitik ist keine Kostenfaktor, sondern eine Form wirtschaftlicher Infrastruktur.“

Einsparungen im Sozialbereich.

Ein Kommentar von Elisabeth Sechser.

“ Sozialunternehmen sind essenzielle menschliche Bausteine einer Caring Economy. Sie sind eine menschliche Korrektur bestehender unsozialer Wirtschaftspraktiken und bringen eine fundamentale menschliche Dimension in wirtschaftliches Handeln ein. Dass unsere Wirtschaftslogik seit Langem Risse in ihrer menschlichen Konsistenz aufweist, ist leider keine neue Erkenntnis. Dass diese Risse Not, Armut, Exklusion und Ungleichheit erzeugen, ebenso wenig. Wenn nun ausgerechnet bei jenen Organisationen gespart wird, die sich um jene kümmern, die nicht in diese brüchige Logik passen oder durch sie zu Schaden kommen, ist das unlogisch und widersinnig. Genau hier zu kürzen zahlt vor allem darin ein, dass die Unmenschlichkeit zunimmt und die Folgekosten ebenso. Da gerade jene betroffenen Menschen kaum Lobby und keine starke Stimme haben, werden sie vorerst im Modus einer beruhigten Wählerschaft nicht auffallen. Die Folgen des Einsparens werden woanders aufschlagen und dann möglicherweise sehr laut.

Sozialpolitik ist kein Kostenfaktor, sondern eine Form wirtschaftlicher Infrastruktur. Sie als Einsparungspotenzial zu verwenden und zeitgleich andere Wirtschaftsbereiche mit viel Geld zu versorgen, erzeugt kein kohärentes Bild volkswirtschaftlich klugen Handelns. Stellen wir uns einmal vor, wir entwickeln immer schnellere Autos, die zu mehr Unfällen führen, und sparen dann beim Verbandsmaterial und an der Führerscheinausbildung.​​​​​​​ Natürlich ist dieser Vergleich eine unpassende Vereinfachung. Doch vielleicht ist er ein Denkanstoß, um über Kosten, Ursachen und kluge Einsparungspotenziale​​​​​​​​​​​​​​ nachzudenken. Solange wir die Ursachen von echten Problemen nicht besser bekämpfen und eine Wirtschaft bauen, die diese Probleme nicht produziert, solange wir nicht entschieden dafür einstehen unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen einzuhalten und solange wir Sozialpolitik​​​​​​​ als Kostenfaktor einstufen, werden wir auch keine stabilen Lösungen kreieren.

Sozialunternehmen sind Effizienzmeisterinnen. Sie erzeugen – gemessen am Aufwand – eine hohe Wirksamkeit. Geldflüsse in die Gesundheits-, Sozial- und Bildungsfelder sind keine Kosten, sondern sinnvolle Investitionen für eine Volkswirtschaft. Klug eingesetzt kommt immer mehr Wert und Geld heraus. Das Generieren von Mitarbeiter:innen-Einkommen im NPO-Bereich entzieht sich der Profitmaximierungslogik anderer Wirtschaftspraxen​​​​​​​. Wer meint, hier wird verschwenderisch gehandelt, muss konkret werden und spezifisch. Cross-Cutting macht auch hier wenig Sinn und erzeugt aktuell in vielen Sozialunternehmen einen argumentativ nicht schlüssigen Spardruck. Nichts zu tun geht natürlich auch nicht. Doch die aktuelle Einsparungswelle hat mit Effizienz wenig zu tun. Die aktuelle Überbetonung dieser Scheineffizienz​​​​​​​ wird vor allem eines nicht schaffen: echte Effizienz. Stattdessen werden die Brüche in unserem Miteinander-Wirtschaften größer.“ 

Elisabeth Sechser arbeitet als Organisationsentwicklerin in Wien. Sie ist am unabhängigen Institut CloseEconDataGap tätig, Teil des Center for Partnership Systems, Mitglied der globalen Multi-Stakeholder-Community Global Alliance for Care sowie Unterstützerin des Gleichstellungsrats Österreich. Sie setzt sich für ein grundlegendes Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft ein und bringt ihre vielfältigen Expertisen, ihre Umsetzungskraft und langjährige Erfahrung engagiert in transformative Prozesse ein. 2023 gründete sie CaringEconomy.Jetzt und macht die großen Potenziale eines Wirtschaftens für Menschen – innerhalb der planetaren Grenzen – sichtbar.

Hier zu unserer Wirtschaftszahl .

1:7 – Gezielte Sozialpolitik spart Milliarden.

1 € Investition kann bis zu 7 € an Folgekosten vermeiden >>



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