Im toten Winkel der Ökonomie
Warum das Drei-Sektoren-Modell ohne einen vierten Sektor unvollständig bleibt.
Das klassische Drei-Sektoren-Modell der Volkswirtschaftslehre teilt ökonomische Aktivitäten in Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor. Doch zentrale Leistungen, insbesondere Sorge- und Versorgungsarbeit und ihre spezifische Qualität, die sie auch von anderen Dienstleistungen unterscheidet, bedürfen einer eigenständigen Betrachtung, weil dahinter eine andere ökonomische Logik steht. Darüber hinaus bleibt die unbezahlte Arbeit, die ebenfalls dazu betrachtet werden muss, in ökonomischen Analysen unsichtbar. Welche Auswirkungen das auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hat und warum ein vierter Sektor notwendig ist, darüber diskutieren Expertinnen am 29. Januar 2026, 11:00–12:00 Uhr online.
Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie unvollständige Daten und traditionelle Modellannahmen zu systematischen Verzerrungen führen – mit klaren Folgen für politische Entscheidungen und wirtschaftliche Bewertungen. Denn: Leistungen, die in traditionellen Statistiken nicht sichtbar sind, werden auch nicht gehört, bewertet oder berücksichtigt.
Expertinnenrunde mit:
- Danielle Axelroud, Steuerexpertin und Vorständin bei Economiefeministe
- Christine Rudolf, politische Ökonomin und Geschäftsleiterin von Economiefeministe
- Elisabeth Sechser, Organisationsentwicklerin und Publizistin, CaringEconomy.Jetzt
Wann:
29. Jänner 2026, 11:00–12:00 Uhr
Wo:
Online (Zoom)
Anmeldung:
per E-Mail an events@caringeconomy.jetzt
(Zugangsdaten werden nach Anmeldung übermittelt)
Alle drei Forscherinnen arbeiten am Institut CloseEconDataGap, dessen Ziel es ist, weiterhin bestehende ökonomische Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern sichtbar zu machen und die durch unvollständige bzw. verzerrte Datengrundlagen verdeckten Ungleichheiten im deutschsprachigen Raum (D-A-CH) offenzulegen.
Wirtschaft im toten Winkel: Der vierte Sektor
Neueste Daten zur unbezahlten Arbeit und zur Sorge- und Versorgungswirtschaft zeigen: Wenn alle geleisteten Arbeitsstunden in der Schweiz zusammengezählt werden, entspricht das Arbeitsvolumen im vierte Wirtschaftssektor – Sorge- und Versorgungswirtschaft – nahezu ¾ aller Arbeitsstunden der Gesamtwirtschaft. Diese Sektorisierung zeigt auf, wie viel unbezahlte Arbeit in klassischen Wirtschaftsmodellen unberücksichtigt bleibt und wie groß ihr tatsächlicher Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt ist. Vor allem kann so keine Aussage über Verschiebungen und ihren Folgen zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit getroffen werden.
In diesem Zusammenhang wird erörtert, warum traditionelle ökonomische Modelle trotz ihrer historischen Bedeutung heute nicht mehr ausreichen und welche politisch-ökonomischen Konsequenzen das Ignorieren dieses Bereichs hat – von Gender-Ungleichheiten über Arbeitsmarktpolitiken bis hin zur Messung von Wohlstand und sozialer Infrastruktur.
Mit aktuellen Berechnungen aus der Schweiz und mit den jüngsten Zahlen aus Deutschland und Österreich.
Presseanfragen :
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