Riane Eisler erhält das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst - Caring Economy
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Riane Eisler erhält das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Only my parents and I survived; all other family members were killed. Through my work I was able to transform tragedy into hope. It is so greatful to me to be welcome by Austria, my homeland. It means so much to me as a refugeechild from the Nazis.” Riane Eisler

Die international renommierte Evolutions- und Kulturtheoretikerin Riane Eisler wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet. Generalkonsulin Christine Moser von der österreichischen Botschaft Los Angele überreichte am 3. Dezember 2025 feierlich Prof. Riane Eisler das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Die Zeremonie fand im kleinen familiären Rahmen bei Riane Eisler statt, ein paar internationale Gäste waren online zugeschalten.

Mit Grußworten von Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, einer Videobotschaft von IKG-Präsident Oskar Deutsch und einer kurzen Rede an Riane Eisler von Elisabeth Sechser wurde diese feierliche Übergabe gestaltet.

Die Initiative zur Verleihung des Ehrenzeichens ging von Elisabeth Sechser aus. Sie setzt sich sehr dafür ein, Riane Eislers Lebenswerk in Österreich zu würdigen und ihre Arbeit auch in ihrem Geburtsland sichtbar zu machen. Elisabeth Sechser engagiert sich selbst für die Caring Economy und steht in engem Austausch mit Riane Eisler.

Weitere GratulantInnen und online zugeschaltete Gäste waren Iris Appiano Kulger, Leiterin der Frauenabteilung Arbeitsmarktservice Österreich, Ulrike Brandhorst, die deutsche Übersetzerin von Riane Eislers Meisterwerk „The Real Wealth of Nations“, Ulrike Knobloch, Ökonomin und WIrtschaftsethikerin vom Netzwerk EFAS economy feminism and science und vom Institute CloseEconDataGap, Milo Tessellar, Transformation Strategist und Unterstützer der Caring Economy, Eli Ingraham – Board Advisor, Center for Partnership Systems, Galia Benartzi, Vorstandsmitglied Board Advisor, Center for Partnership Systems, Gina Miltiadou, Summit Director „Peace Begins at Home“, Gaylen Curtis – Anwältin und Community Voice im Center for Partnership Systems. Auch Christine Rudolf und Danielle Axelroud vom Institut CloseEconDataGap und von Economiefeministe übermittelten eine Botschaft, in der sie Riane Eisler zur Auszeichnung ihre Wertschätzung für Eislers Forschung zu Partnerschaftsmodellen und Geschlechtergerechtigkeit ausdrückten. 

„Riane Eisler zeigt mit absoluter Klarheit, dass die wertvollsten Beiträge, die eine Gesellschaft leistet – jene Dinge, die Volkswirtschaften erfolgreich und widerstandsfähig machen – nicht in Finanzberichten zu finden sind, sondern in der Fürsorge, die Menschen einander entgegenbringen, in jener Wertschöpfung, die entsteht, wenn wir Fürsorge, Pflege und Bildung in den Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns stellen.“ Elisabeth SechserZur Ganzen Rede von Elisabeth Sechser >>

Die 1931 in Wien geborene 94-Jährige, die als Kind vor dem Nationalsozialismus nach Kuba fliehen musste, erhält die hohe Ehrung für ihr außergewöhnliches Lebenswerk und ihren weltweit einflussreichen Beitrag zu einer partnerschaftlichen, gerechten und fürsorgeorientierten Gesellschaft.

Eisler zählt zu den bedeutendsten Denkerinnen unserer Zeit, wenn es um Partnerschaftsmodelle, Gleichstellung und die Caring Economy geht.

Ihr Klassiker „Kelch und Schwert“ („The Chalice and the Blade“, 1987) gilt als Meilenstein der Kultur- und Gesellschaftsanalyse. Mit „Die verkannten Grundlagen der Ökonomie“ („The Real Wealth of Nations“, 2007) prägte sie die internationale Diskussion um die Bedeutung von Fürsorgearbeit als zentrale ökonomische Ressource und Kernelement.

Als Gründerin des Center for Partnership Studies hat Eisler über Jahrzehnte Forschung, politische Programme und Bildungsinitiativen inspiriert, die weltweit Anwendung finden. Ihre Arbeiten werden in Universitäten, Think Tanks und zivilgesellschaftlichen Organisationen genutzt und haben sowohl wissenschaftliche als auch politische Entscheidungsprozesse geprägt. Riane Eislers interdisziplinäre Arbeiten haben maßgeblich zur Analyse gesellschaftlicher Machtstrukturen, Geschlechterverhältnisse und Fürsorgeökonomien beigetragen. Ihre Flucht vor dem Nazi-Regime hat ihr späteres Denken über Gewalt, Fürsorge, Kooperation und gesellschaftliche Strukturen entscheidend geprägt.

Riane Eislers Forschung basiert auf der von ihr entwickelten strukturellen Unterscheidung zwischen Dominanz- und Partnerschaftssystemen, die als übergeordnete Erklärungsmuster sozialer Organisation dienen. Dieses Modell ermöglicht die Analyse historischer, politischer und ökonomischer Entwicklungen jenseits üblicher Dichotomien wie links/rechts oder religiös/säkular. Mit ihrem kulturhistorischen Ansatz zeigt Eisler, dass egalitäre, kooperative und gewaltarme Gesellschaftsformen historisch empirisch belegbar sind und damit reale Alternativen zu hierarchischen und gewaltorientierten Strukturen darstellen.

Ein weiterer Schwerpunkt ihres Werks ist die Caring Economy, deren theoretische und empirische Fundierung Eisler maßgeblich vorangetrieben hat. Sie argumentiert, dass unbezahlte und unterbewertete Fürsorgearbeit – insbesondere im familiären und sozialen Bereich – die grundlegende ökonomische Ressource moderner Gesellschaften und das Kernelement von Wirtschaft bildet. Damit hat sie internationale Debatten zu Ökonomie und zur nachhaltigen Entwicklung entscheidend beeinflusst.

Eislers interdisziplinäre Forschung – an der Schnittstelle von Anthropologie, Geschichte, Ökonomie, Soziologie und Systemtheorie – macht sie zu einer der prägendsten Stimmen der zeitgenössischen Friedens- und Zukunftsforschung. Im Zentrum ihrer Fragen stehen die kulturellen und strukturellen Bedingungen, die Gewalt begünstigen oder Kooperation, Gleichstellung und gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Resilienz stärken. Eisler Arbeit zeigt, dass stabile Friedensordnungen dort entstehen, wo Beziehungen – in Familien, Bildungssystemen, Politik und Wirtschaft – von Geschlechtergerchtigkeit, Fürsorge und demokratischer Teilhabe geprägt sind. Diese Erkenntnisse verbindet sie mit zukunftsorientierten Modellen, die auf soziale Innovation, Care-Infrastruktur, ökologische Nachhaltigkeit und die Demokratisierung aller Lebensbereiche setzen.

Ihr Konzept des Partnerschaftssystems bildet dabei die Grundlage für langfristige gesellschaftliche Stabilität. Frieden beginnt nach Eisler nicht bei internationalen Verträgen, sondern im Alltag: in der Art, wie Kinder aufwachsen, wie Geschlechterrollen konstruiert werden, wie Institutionen gestaltet sind und welche Werte Ökonomien priorisieren. Die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften hängt entscheidend von der Qualität ihrer Beziehungen und der Sichtbarkeit und dem Stellenwert von Fürsorge, Pflege und Bildung ab. Für ihr Lebenswerk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Ehrendoktorate, den Nuclear Age Peace Leadership Award, den Feminist Pioneer Award sowie die Aufnahme in das preisgekrönte Buch „Great Peacemakers“, in dem sie als eine von zwanzig Persönlichkeiten des Weltfriedens – neben Mahatma Gandhi, Mutter Teresa und Martin Luther King – porträtiert wird.

Ein Video-Ausschnitt der Verleihung mit persönlichen Worte von Riane Eisler

Elisabeth Sechser ist Expertin der Caring Economy und eine wichtigste Stimme für fürsorgliches, partnerschaftliches Wirtschaften im deutschsprachigen Raum. Eng verbunden mit der großen Vordenkerin Riane Eisler, vermittelt sie deren Theorien und Ansätze praxisnah, inspirierend und mit großer fachlicher Tiefe.

Warum wir eine Caring Economy gerade jetzt dringend benötigen und welche gesellschaftlichen Potenziale in Riane Eislers Partnerschaftsansatz liegen, erläutert Elisabeth Sechser gerne in einem persönlichen Gespräch. Auch koordiniert sie gerne Interviewanfragen mit Riane Eisler.



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