Die größte Subvention der Wirtschaft ist weiblich - Caring Economy
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Die größte Subvention der Wirtschaft ist weiblich

Warum die Abwertung von Care-Arbeit und die Schwächung von Frauenrechten zwei Seiten derselben Medaille sind

🔻 Der Wert der gesamten unbezahlten Arbeit in privaten Haushalten ergibt 2022 € 195 Milliarden. Das würde 44 % unseres Bruttoinlandsprodukts von 447 Mrd. EURO (BIP, 2022) entsprechen. Der größte Anteil dieser Arbeit ist die Hausarbeit (das wären 34 % des derzeitigen BIP), der von Frauen geleistete Anteil unbezahlter Wirtschaftsleistungen macht in Geldwert 27 % des BIP aus. 

🔻Eine durchschnittliche Care-Arbeitswoche mit Kleinkindern beträgt 98 Stunden. Davon übernehmen nach wie vor Frauen den Hauptteil der unbezahlten Arbeit. Gleichzeitig arbeiten sie angeblich „nur“ Teilzeit.

🔻 16,4 Milliarden Stunden arbeitet Österreich pro Jahr. Davon sind 57 % unbezahlt (Sorgearbeit, Haushalt, Familie, Freiwilligentätigkeit). 6,3 Milliarden dieser unbezahlten Stunden leisten Frauen.

🔻 Laut Bildungsdirektionen gibt es 6.100 unbesetzte Lehrerstellen für 2025.

🔻 In Österreich fehlen bis 2027 ca. 22.000 Sozialarbeiter*innen.

🔻 Pflegende Angehörige spielen in unserem Land noch immer die Hauptrolle. Sie sind der größte Pflegedienstleister der Nation. 1.000.000 Menschen pflegen Angehörige zu Hause, 73 % davon sind Frauen. Nur 30 % können neben der Pflegearbeit zu Hause einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Aktuell pflegen ca. 42.700 Kinder und Jugendliche, „Young Carers“ genannt, im Alter zwischen 5 und 18 Jahren Angehörige. Die Dunkelziffer wird um vieles höher geschätzt.

🔻 Bis zum Jahr 2050 werden insgesamt 200.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungspersonen gebraucht.

🔻 Für optimale Elementarpädagogik in Kindergärten fehlen bis 2030 bis zu 20.200 Menschen.

🔻Das aktuelle Wirtschaftssystem verlagert die Kosten der Fürsorge nicht zunehmend auf Migrant:innen. Sie schließen Versorgungslücken in Pflege, Betreuung, Reinigung und Haushalt, die ohne ihre Arbeit längst kollabieren würden. Gleichzeitig gehören sie häufig zu den am schlechtesten bezahlten und gesellschaftlich am wenigsten anerkannten Beschäftigtengruppen und sind mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt.

Die Frage nach der Zukunft von Care ist daher immer auch eine Frage nach sozialer Gerechtigkeit, Frauenrechten, Migration und Menschenwürde.

Warum Care-Arbeit systematisch abgewertet wird

Warum bleibt die unbezahlte Care-Arbeit nach wie vor unbezahlt? Warum werden Berufe, die Menschen pflegen, erziehen, betreuen oder versorgen, häufig schlechter bezahlt als Berufe mit vergleichbarer Qualifikation und Verantwortung? Die feministische Ökonomin Mascha Madörin argumentiert, dass sich die gesellschaftliche Abwertung von Care-Arbeit direkt in den Löhnen widerspiegelt. Solange Sorgearbeit als selbstverständlich gilt, werden auch jene Berufe strukturell schlechter bewertet, die auf dieser Arbeit aufbauen.

Care-Arbeit als Ursache vieler Gender Gaps

Die Forschung sieht die ungleiche Verteilung und gesellschaftliche Abwertung von Care-Arbeit als zentrale Ursache vieler Gender Gaps. Andere Faktoren wie berufliche Segregation, Diskriminierung, Geschlechterrollen und institutionelle Rahmenbedingungen verstärken diese Unterschiede. Gender Gaps entstehen nicht durch individuelle Entscheidungen, sondern durch ein Wirtschaftssystem, das Marktarbeit höher bewertet als Sorgearbeit und die Kosten der gesellschaftlichen Reproduktion überwiegend auf Frauen verlagert.

Frauenrechte und Gleichstellung gehören zusammen

Aus einer Caring-Economy-Perspektive sind deshalb der Abbau von Gender Gaps und die Stärkung von Frauenrechten zwei Seiten derselben gesellschaftlichen Transformation hin zu mehr Gleichstellung, Demokratie und sozialer Nachhaltigkeit. Dabei geht es häufig weniger um Fürsorge selbst als um die Frage: Wer trägt die Verantwortung für diese Kernaufträge von Wirtschaft und Gesellschaft – Familien, Frauen, Männer, Unternehmen, Gemeinschaften, der Staat?

Bestehende Gender Gaps tragen dazu bei, dass Frauen weniger politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht sowie weniger Zeit und Geld haben. Die Einschränkungen von Frauenrechten führen direkt zu größeren Gender Gaps. Wir können beobachten, dass Frauenrechte häufig dort angegriffen werden, wo ihre Stärkung die bestehende Verteilung von Sorgearbeit, Ressourcen und Macht infrage stellt. Der Kampf um Frauenrechte ist kein Nischenthema, sondern die Kernfrage einer Wirtschaftsordnung: Wer sorgt für Menschen – und wer profitiert davon?

Die Abwertung von Care und die Abwertung von Frauen

Der Konflikt dreht sich letztlich nicht nur um Geschlechter, sondern um die Frage, welchen Wert eine Gesellschaft dem Lebenserhalt, der Fürsorge, Bildung, Pflege und den menschlichen Beziehungen beimisst. Die renommierte Wissenschaftlerin Riane Eisler formuliert den Zusammenhang so: „Solange eine Gesellschaft Fürsorgearbeit als weiblich statt menschlich versteht, bleibt sie unsichtbar und unterbewertet. Die Abwertung von Care und die Abwertung von Frauen sind keine getrennten Phänomene, sondern zwei Seiten derselben kulturellen Logik.“

Fürsorge ist menschlich, nicht weiblich. Es gibt keinen einzigen Grund, warum Fürsorge eine weibliche Kompetenz sein sollte. Menschen aller Geschlechter sind zu Empathie, Bindung und Fürsorge fähig.



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