Ausgangslage
Soziale Ungleichheit, Fachkräftemangel, Pflegekrisen, Klimawandel, Einschränkungen der Frauenrechte, die Gender Gaps, demokratische Spannungen sind die Folgen traditioneller Wirtschaftsmodelle. Zentral ist die Tatsache der patriarchal geprägten Verknüpfung der gesellschaftlichen Rolle von Frauen mit der systematischen Entwertung von Care-Arbeit. Diese strukturelle Abwertung und Auslagerungen bilden eine zentrale Grundlage der bestehenden dysfunktionalen Wirtschaftsordnung und führen zu verzerrten wirtschaftspolitischen Entscheidungsgrundlagen mit Folgen. Die Caring Economy stärkt jene Strukturen, die Kooperation, Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung fördern.
Was ist die Caring Economy?
In der Caring Economy stehen Fürsorge, Pflege und Bildung im Zentrum von Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung. Sie macht wirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar, die in herkömmlichen Modellen oft ausgeblendet werden, legt dominante Wirtschafts- und Gesellschaftsmuster offen und zeigt, wo diese Menschen, Gemeinschaften und natürliche Lebensgrundlagen schädigen. Sie berücksichtigt alle Bereiche, die Wertschöpfung schaffen, benennt schädliche Entwicklungen und rückt den größten Wirtschaftssektor – die privaten Haushalte – ins Zentrum wirtschaftspolitischer Entscheidungen.
Wirtschaftlicher Erfolg wird dabei an die Förderung von Fürsorge, Pflege und Bildung sowie an den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen geknüpft. So erweitert die Caring Economy den Blick auf Wohlstand und Wertschöpfung und zeigt, wie eine Wirtschaft gestaltet werden kann, die Wohlergehen, Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und ökologische Nachhaltigkeit gleichermaßen stärkt.
Statt zu fragen, wie Wirtschaft weiter wachsen kann, fragt die Caring Economy: Wie kann Fürsorge, Bildung und Pflege weiter wachsen. Denn nicht das Leben dient der Wirtschaft. Die Wirtschaft dem Leben.
Riane Eisler – Pionierin der Caring Economy
Riane Eisler zählt zu den bedeutendsten Vordenkerinnen der Caring Economy. Mit ihren bahnbrechenden Arbeiten zu Wirtschaft, Gesellschaft und menschlicher Entwicklung hat sie neue Perspektiven auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts eröffnet. Ihre Forschung zeigt, dass viele soziale, ökologische und wirtschaftliche Krisen auf denselben grundlegenden Denk- und Beziehungsmustern beruhen – und dass nachhaltige Lösungen nur möglich sind, wenn wir die Rolle von Fürsorge, Bildung und menschlicher Entwicklung neu verstehen. Mit ihrem Konzept der Caring Economy und dem Partnerschaftsmodell schuf sie international anerkannte Grundlagen für eine Wirtschaft, die Wohlstand, Lebensqualität und gesellschaftliche Entwicklung gemeinsam denkt.
Seit vielen Jahren stehen Elisabeth Sechser und Riane Eisler in engem Austausch. Ihre Ideen und Erkenntnisse prägen die Arbeit von CaringEconomy.Jetzt maßgeblich und bieten wertvolle Orientierung für die Bewältigung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.
Die international renommierte Sozialwissenschaftlerin, Juristin und Autorin Dr. Riane Eisler wurde 1931 in Wien geboren und musste als Kind mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus fliehen. Im Zentrum ihres Lebenswerks steht die Frage, welche gesellschaftlichen Strukturen Frieden, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und die Entfaltung menschlichen Potenzials fördern. Mit ihren Büchern, Vorträgen und Forschungsarbeiten entwickelte sie das Konzept der Caring Economy sowie das Partnerschaftsmodell. Sie gründete das Center for Partnership Systems und initiierte die internationale Caring Economy Campaign. Ihre Ideen inspirieren weltweit Menschen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Das Partnerschaftssystem
Riane Eisler zeigt in ihren transnationalen Arbeiten, dass Gesellschaften sich zwischen zwei grundlegenden Ausrichtungen unterscheiden. Diese Konfigurationen bedingen oder verhindern kooperatives, partnerschaftliches und demokratieförderndes Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Das Partnerschaftssystem beschreibt Gesellschaften, in denen Menschen einander als gleichwertig, kooperativ und fürsorgend begegnen und all dies wichtiger ist als Dominanz, patriarchale Macht und Kontrolle.
Die Ausprägung von Partnerschaft oder Dominanz zeigt sich nach Eisler insbesondere in vier zentralen Eckpfeilern („Four Cornerstones“): den sozialen Strukturen und Familienbeziehungen, den Geschlechterverhältnissen, dem Ausmaß von Gewalt sowie den zugrunde liegenden Narrativen und Wertesystemen einer Gesellschaft. Gemeinsam prägen sie, ob Kooperation, Fürsorge und Gleichwürdigkeit gefördert oder durch Hierarchie, Kontrolle und Ausgrenzung behindert werden.
Riane Eislers Arbeit zeigt, dass diese Orientierung nicht nur Beziehungen prägt, sondern weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft, Bildung, Politik und den Umgang mit Sorgearbeit hat. Wo partnerschaftliche Strukturen gestärkt werden, wachsen demokratische Teilhabe, Innovationskraft und Lebensqualität. Wir von CaringEconomy.Jetzt machen diese Muster sichtbar und zeigen Wege auf, wie das Gestalten von Partnerschaftssystemen gelingen kann.
